Tree of Science
Beispiel: ein Manager geht von einem Menschenbild (Metatheorie) aus, das besagt, dass der Mensch von Natur aus ein Raubtier ist, das nur den eigenen Vorteil im Sinn hat, und dass wir alle nur aus Fehlern lernen. Er wird – darauf aufbauend – nicht an das „Gute im Menschen“ glauben, wird in seiner Praxis eher die Peitsche als das Zuckerbrot auspacken.
Er wird in eine Coachingsitzung andere Annahmen und damit auch Chancen für eine persönliche Veränderung mitbringen als jemand, der grundsätzlich von anderen anthropologischen (wer sind wir?) und erkenntnistheoretischen (woher wissen wir?) Grundannahmen ausgeht.
Von Hilarion Petzold stammt das Modell des „Tree of Science“, ein hierarchisches Modell, das auf viele Formen der Beratungsarbeit anwendbar ist. Es geht dabei darum, dass hinter der jeweiligen Praxis eine Praxeologie steckt, eine „Theorie der Praxis“ also, in der das konkrete Tun beschrieben und eingeordnet wird. Hinter dieser Praxeologie wiederum wirken theoretische Annahmen und Erklärungen „mittlerer Reichweite“, dazu gehören zum Beispiel Persönlichkeitstheorien, Lerntheorien, Sozialtheorien etc.
Letztendlich bestimmt werden all diese Theorien jedoch von den Grundannahmen und Denkweisen im Bereich der „Metatheorien“, also der uralten Grundthemen der Philosophie und dem Umgang mit diesen Themen.
