Deutschland ist das drittschnellste Land. Kulturelle Unterschiede und ihre Auswirkungen auf Zeitgefühl und Lebenstempo.
19. Juli 2011 in Selbstmanagement - Antworten
Wissen Sie, wie schnell Sie in der Fußgängerzone gehen? Oder wie lange es dauert, eine Briefmarke zu kaufen? Oder wie genau die öffentlichen Uhren gehen? Diese Indikatoren hat Robert Levine benutzt, um das Lebenstempo in 31 Ländern zu messen. Die Länder Westeuropas landen bei dieser Messung ganz vorne.
Robert Levine ist Professor für Psychologie an der California State University in Fresno, er hatte mehrere Gastprofessuren in Brasilien, Japan und Schweden. In seinem Buch
„Eine Landkarte der Zeit“ fasst er einige seiner Untersuchungsergebnisse zusammen, die den Umgang mit der Zeit, mit Pünktlichkeit und mit dem Lebenstempo in verschiedenen Ländern zum Thema haben. Er und seine Studenten haben also Indikatoren gesucht, mit denen man dieses Tempo und das dazu gehörige Lebensgefühl messen und vergleichen kann.

Termine, Aufgaben, Prioritäten, Ablenkungen...
Japan ist bei diesen Tests auf Platz vier gelandet, wäre aber ganz sicher das schnellste Land gewesen, wenn nicht die Postangestellten dort die Briefmarken (einzelne!) sorgfältig eingewickelt hätten. Österreich ist übrigens auf Platz 8, die Schweiz erreichte den ersten Rang mit sehr knappem Vorsprung vor Irland und eben Deutschland. Letze in diesem Ranking wurden die Mexikaner, noch hinter Indonesien, Brasilien und El Salvador. Levine hat auch Zusammenhänge zwischen der Häufigkeit bestimmter Koronarerkrankungen und dem Lebenstempo in unterschiedlichen Städten untersucht und dabei „Typ A – Städte“ identifiziert, die also besser zu dem hektischen und zu Stresskrankeiten neigenden „Typ – A – Menschen“ passen.
Es ist übrigens keineswegs so, dass langsamer und ruhiger besser und gesünder wäre, ein mittleres Tempo ist wohl angesagt: „Freedman und Edwards (zwei Sozialpsychologen) haben herausgefunden, dass die Beziehung zwischen Wohlbefinden und Zeitdruck einem umgekehrten „U“ entspricht. Am besten geht es uns bei einem Mittelmaß an Druck. Zu viel Zeitdruck führt zu Stress, zu wenig zu Langeweile. Außerdem stellten die beiden Forscher auch eine umgekehrt U-förmige Beziehung zwischen Zeitdruck und Leistungsqualität fest. Die beste Arbeit leisten die Menschen wiederum bei einem Mittelmaß an Zeitdruck“.